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Das Notfall-ABC

… ein Konzept, dass du unbedingt kennen solltest!

Lebensbedrohliche Notfälle beim Kind sind sehr selten!  Das Problem ist, dass wenn dann ein solcher seltener, lebensbedrohlicher Notfall eintritt, wiederum sehr viele Szenarien denkbar sind: In einem Fall, da fällt ein Säugling vom Wickeltisch und bleibt bewusstlos auf dem Boden liegen. In einem anderen Fall vergiftet sich ein Kleinkind mit irgendeiner Substanz. Im nächsten Fall verbrüht es ich mit kochend heißem Wasser und wieder woanders, da erleidet ein Kind einen Fieberkrampf oder plötzlich Luftnot oder was auch immer. Und es macht jetzt eben keinen Sinn alle möglichen eintausend Szenarien und denkbaren Notfallursachen aufzuzählen und an einer Liste abzuarbeiten, denn genau diese Komplexität ist es ja, die Ängste schürt und das Thema Erste-Hilfe so unnahbar macht.
Wenn du nicht grade jeden Tag mit lebensbedrohlichen Notfällen beim Kind konfrontiert wirst, brauchst du ein einfaches Konzept. Eine universelle und einfach anzuwendende Vorgehensweise die immer funktioniert. Egal welcher Notfall passiert, die Art und Weise wie du einen lebensbedrohlichen Zustand beim Kind erkennst und das, was dann zu tun ist, muss immer genau gleich sein. Es muss einfach anwendbar sein und auch in Notfallsituation, nämlich im Zustand von Panik und Tunnelblick, zuverlässig funktionieren.

So funktioniert das Notfall-ABC

Es gibt ein solches Konzept! In unseren Kursen haben mein Team und ich dieses bereits vielen tausend Eltern, Großeltern, Babysittern und Menschen, die beruflich mit Kindern zu tun haben, beigebracht. Es handelt sich um das Notfall-ABC-Konzept.

Grundgedanke des Notfall-ABC-Konzeptes ist, dass, wenn beim Kind ein lebensbedrohlicher Zustand eintritt, es immer und ausschließlich nur um drei Dinge geht: Um das A, das B und das C. Die Buchstaben A, B und C stehen für drei lebenswichtige Körperfunktionen.

Das Notfall-ABC Konzept ist in gewisser Weise ein Paradigmenwechsel. Das möchte ich gerne näher erklären: Wenn es beim Kind plötzlich zu einem lebensbedrohlichen Notfall kommt, fragen die meisten in diesem Moment sofort nach der Diagnose. Nehmen wir an, das Kind bekommt nachts plötzlich Luftnot. Die meisten Menschen fragen jetzt sofort und als erstes nach der Diagnose: „Wie heißt das Krankheitsbild?“ „Ist das ein Pseudokrupp-Anfall? Oder doch eher ein Fieberkrampf? Halt nein, Google sagt, das ist ein Asthmaanfall? Waaaaas? Daran stirbt das Kind?“ Genau das macht Stress!
Mit dem ABC-Konzept fragen wir im Moment der lebensbedrohlichen Situation nicht nach Diagnosen. Diese kann man in den meisten Fällen außerhalb der Klinik überhaupt nicht stellen, da hierzu oftmals zahlreiche Untersuchungen nötig sind.

Wir fragen im Notfall also nicht nach der Diagnose. Wir fragen nicht danach, wie der Arzt oder die Ärztin das Krankheitsbild oder die Verletzung nachher genau benennen wird und uns interessiert auch weniger was genau, also welches Ereignis, zu diesem Zustand geführt hat. Es ist für die Erste-Hilfe im Moment des lebensbedrohlichen Notfalls zweitrangig ob das Kind Luftnot hat, weil es zum Beispiel am Brustkorb verletzt wurde oder ob dieser Zustand ohne erkennbare äußere Ursache eintritt. Aber auf was sollten wir in diesem Moment denn dann achten?

Wichtig ist einzig und allein welche Zeichen, also welche Symptome, das Kind zeigt! Lässt man Diagnosen, Ursachenspekulationen und auch Google beiseite, kann man in der Regel sehr klar und eindeutig verschiedene Notfallzeichen beim Kind erkennen. Mit unserem Notfall-ABC können wir anhand dieser Zeichen sagen, ob diese Zeichen (potenziell) lebensbedrohlich sind oder nicht und ob es ich um einen A-, einen B- oder einen C-Notfall handelt.

Dieses Konzept ist wirklich genial, denn damit ist es möglich ein einfaches und grundlegendes Verständnis darüber zu erhalten, auf was es in lebensbedrohlichen Notfällen beim Kind wirklich ankommt.

Dafür stehen die Buchstaben A,B und C

A, B und C stehen also für lebenswichtige Körperfunktionen. Es ist nicht wirklich schwer, sich diese zu merken. Lass uns mit dem A beginnen. Du kannst es dir wahrscheinlich bereits denken: Das A steht für die Atmung.

A wie Atmung

So ein A-Notfall kann zum Beispiel durch einen Pseudokruppanfall aber auch durch einen Asthmaanfall, durch eine Verletzung des Brustkorbes oder durch viele andere Ursachen ausgelöst werden. Aber im Grunde ist das auch egal. Denn mit dem Notfall-ABC fragen wir im Moment des Notfalls ja eben nicht nach den Ursachen und Diagnosen, sondern ausschließlich nach Symptomen, also nach wahrnehmbaren Zeichen.
Grundsätzlich gilt, dass man alle lebensbedrohlichen Zustände beim Kind, welche die Atmung betreffen, an denselben Zeichen erkennt und in der Ersten-Hilfe in all diesen Fällen auch dasselbe tun sollte.

Gerade wenn wir über Notfälle beim Kind sprechen, ist der A-Bereich besonders wichtig, da die meisten lebensbedrohlichen Zustände beim Kind diesen A-Bereich betreffen. Die meisten lebensbedrohlichen Notfällen beim Kind haben irgendetwas mit der Atmung zu tun. Hierfür gibt es verschiedene Gründe: Einer davon ist, dass die Atemwege eines Kindes generell sehr eng sind. Wenn diese anschwellen entsteht schneller ein lebensbedrohlicher Notfall, als dies bei den deutlich weiteren Atemwegen eines Erwachsenen der Fall ist. Außerdem nehmen Kinder, wie wir alle wissen, gerne alles und jeden in den Mund, weshalb sie natürlich, im Vergleich zum Erwachsenen, stärker gefährdet sind Fremdkörper in die Luftwege anzuatmen.

B wie Bewusstsein

Das Bewusstsein ist der zweite lebenswichtige Bereich, der unbedingt funktionieren muss. In diesem Bereich gibt es übrigens ein paar mehr Notfallzeichen, als nur die tiefe Bewusstlosigkeit. Diese Anzeichen solltest du ebenfalls kennen, um einen lebensbedrohlichen B-Notfall beim Kind schnell zu erkennen und richtig handeln zu können.

C wie Circulation ( Herz- und Blutkreislauf)

Last but not least müssen wir noch den Buchstaben C klären. Und ja, hier ist eine kleine Beichte und Entschuldigung fällig: Beim C haben wir den englischen Begriff Circulation verwendet. Einfach nur, weil wir dem ganzen Konzept einen einprägsamen Namen geben wollten und uns leider kein passender deutscher Begriff dafür eingefallen ist. Mit Circulation ist der Herz- und Blutkreislauf gemeint. Eigentlich logisch, oder? Auch dieses lebenswichtige System muss reibungslos funktionieren, da Störungen in diesem Bereich schnell zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen können. Zum Beispiel ein Kind, das sich verletzt und viel Blut verliert bekommt wahrscheinlich erst mal kein A-Problem auch erstmal kein B-Problem, sondern ein C-Problem, also ein Problem mit dem Herz- und Blutkreislauf. Grundsätzlich gilt, dass C- Notfälle beim Kind eher untypisch sind. C-Notfälle sind typisch für den Erwachsenen. Erleidet ein erwachsener Mensch einen lebensbedrohlichen medizinischen Notfall ist besonders häufig der C-Bereich betroffen – zum Beispiel durch einen Herzinfarkt, eine Lungenembolie, durch Blutgefäßverschlüsse und so weiter.

Denke im Notfall an das ABC

A, B und C. Um diese drei lebenswichtige Körpersysteme geht es im Notfall! Nochmal: Wenn es jetzt also plötzlich zu einem lebensbedrohlichen Notfall kommt, wenn du also bei einem Kind plötzlich irgendwelche Notfallzeichen wahrnimmst, dann fühlst du dich wahrscheinlich von der plötzlichen Situation überfordert und läufst Gefahr einen Tunnelblick zu entwickeln. Wichtig ist es jetzt vor allem nicht zu fragen: “Wie heißt die Diagnose?“ Auch nicht: „Was hat zu diesem Zustand geführt?“ Und schon gar nicht „www.google.de“. Wichtig ist einzig und allein die Frage: “Welche Zeichen zeigt das Kind?“ Und dann kannst du einfach feststellen ob die Zeichen lebensbedrohlich sind und einteilen, ob das Kind einen A-, einen B- oder einen C-Notfall hat. Das Notfall-ABC wird, in deutlich erweiterter Form, übrigens auch von medizinischen Profis angewendet. Wenn der Rettungswagen am Unfallort oder der Patient im Schockraum der Klinik eintrifft, bleibt in den ersten Minuten oftmals keine Zeit, um konkrete Diagnosen zu stellen. In den ersten Minuten geht es darum, die lebenswichtigen Körperfunktionen zu sichern und hierfür ist das Notfall-ABC hervorragend geeignet.

Mehr dazu lernst du in unserem Kindernotfallkurs

Wie du das Notfall-ABC praktisch anwenden kannst, lernst du in unserem Kindernotfallkurs. Ich glaube, dass auch dir dieses Konzept eine gute Hilfe dabei ist, im medizinischen Notfall beim Kind schnell und gezielt handeln zu können und dass es dir die Angst davor nimmt im Notfall etwas falsch zu machen. Also:

Melde dich am besten jetzt gleich zu einem unserer Kurse an.
Diese finden an zahlreichen Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt.